"Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen."
(Nicht immer mag dieses Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt zutreffen, hier jedoch ist es sehr treffend.)

 

Auch für den Personentransport gab es seinerseits ein System, dass zwischen Schiene und Luftverkehr eine schnelle, geräuscharme und energieeffiziente Alternative bieten sollte: Die Magnetschwebebahn.

Woran ist diese gescheitert?

Sie nutzte nicht die vorhandene Infrastruktur, sondern hätte einer komplett neu zu errichtenden Infrastruktur bedurft. Nicht das System, sondern die neu zu errichtende Infrastruktur ist der Tod derartiger Projekte.

Woran liegt es?

Weil durch Straße und Schiene jeder Ort zu erreichen ist. „Mit diesem System könnten wir Gladbachs innerstädtisches Straßennetz fast Lkw-frei machen“, sagt Vize-Bürgermeister und SPD-Verkehrspolitiker Michael Zalfen begeistert.

Wirklich?

Das Cargo Cap System soll vier oder fünf Entladestellen beliefern, für "nur" 60 Millionen € Investition. Vier oder fünf! Und die anderen Lieferstellen und Betriebe im Innenstadtgebiet, die über 100 Geschäfte, Firmen, Behörden, die nicht durch Cargo Cap beliefert werden können?

Herr Zalfen hat augenscheinlich in seiner Begeisterung für diese Modelleisenbahn für ganz große Jungs seinen Realitätssinn verloren, wenn er von fast LKW- frei spricht.

Wenn jedoch schon die Investitionen für diese Punkt zu Punkt Verbindung nicht das Aus für dieses Projekt bedeuten, dann werden es die laufenden Kosten sein. Um dieses System zu nutzen, müssen die Anlieferungen an dem neuen Logistikzentrum "Autobahn" vom LKW ins Lager gebracht, dort kommissioniert werden, dann in den Cargo Cap verladen, an der Entladestelle dort wieder entladen und dann z.B. in die Produktion gebracht werden.

Der gesamte Prozess der Kommissionierung für den Cargo Cap sowie des Beladens und Entladens des Cargo Cap ist schlicht ein zusätzlicher Arbeitsschritt, der finanziert werden muss. Wenn also nicht eine erhebliche Reduzierung beispielsweise der Frachtraten dadurch erreicht wird, dass nur noch bis ins Logistikzentrum an der Autobahn geliefert werden muss anstatt bis vor die Haustür, kostet Cargo Cap schlicht mehr als die bisherige Belieferung.

Man kann ganz einfach einen Vergleich ziehen: Angenommen, man geht nicht unter die Erde, sondern sperrt die Innenstadt für 40- Tonner, lädt alles auf kleinere Einheiten, LKW`s mit Elektroantrieb, für die man eine Extraspur an der Kölner Strasse baut, dann auf dem Bahndamm eine Elektro LKW Straße bis zum Gewerbegebiet, somit also auch der Schwerverkehr aus der Stadt kommt, würde dann auch so gejubelt?

Die Kosten wären geringer, die Anbindung an die bestehende Infrastruktur wäre im Gegensatz zum Cargo Cap voll gegeben, und die LKW Hersteller, die auf dieser Teststrecke die automatisierte Beförderung mittels Elektro LKW testen könnten, wären sicherlich genauso mit im Boot wie DHL, die seit Jahren an dem System arbeiten, Logistikzentren am Rand der Städte zu errichten, um dann mittels kleinerer Elektroeinheiten die Weiterbelieferung vorzunehmen.

Alles auf der Internetseite von DHL zu sehen. Es nimmt der Modelleisenbahn mit dem tollen Tunnel die Einzigartigkeit, ist aber bereits Realität.

Im Übrigen wird in der Schifffahrt die "revolutionäre Cargo Cap Idee" auch schon ewig praktiziert. Nennt sich Feeder Verkehr: Großes Containerschiffe fahren über die Ozeane, entladen in Tiefwasserhäfen, dort werden die Container auf kleinere Schiffe umgeladen, die die Güter weiter transportieren. Aber auch leider nicht unterirdisch mit dem "Wooosch" Geräusch. Und deshalb genau so wenig interessant wie eine oberirdische Elektrolösung.

Wenn Cargo Cap es nicht über den Testbetrieb einer großen Modelleisenbahn im Maßstab 1 zu 2 hinaus gebracht hat, der im Übrigen ja auch bereits eingestellt wurde, dann sicherlich nicht, wie Herr Zalfen meint, dass Lobby-Vertreter der Bahn und der Automobilhersteller an der Umsetzung des Konkurrenz-Systems keinerlei Interesse hätten. Sondern wahrscheinlich nur, weil es wenig Sinn macht, immense Kosten in ein Infrastruktursystem zu stecken, was vollkommen unflexibel und mit keinem bestehenden Infrastruktursystem kompatibel ist.

Es ließen sich auch weitere Argumente erörtern, z.B. was ist mit Waren, die eine durchgehende Kühlkette benötigen etc., aber das ist zu viel Realität, es geht doch um das "Wooosch". Naja, ab der Fastenzeit können wir uns ja wieder um den Alltag kümmern.

Bürger für Bergisch Gladbach e.V.

Torsten Stakemeier